
Auf Kreuzfahrt in den Fjorden Norwegens
12.06. bis 21.06.2026 - Meine Highlights
6/9/2026


Auf Kreuzfahrt in Norwegens Fjorden
Norwegen ist für mich keine Destination, sondern eine gepflegte Natur-Backpfeife mit Nachklang. Mehr als 1.000 Fjorde haben sich hier ins Land gefräst, vom Eis geschliffen und vom Meer geflutet – jedes Mal, wenn ich mit meiner MS Akne einlaufe, übermannt mich die Landschaft.
Im Geirangerfjord, diesem UNESCO-Weltnaturerbe mit seinen steilen Wänden, stehen die „Sieben Schwestern“ links wie Wasserfall-Publikum, das sich aus rund 250 Metern Höhe ins Meer stürzt, während der Freier-Wasserfall rechts seinen Herzschmerz literweise runterkippt. Danach weißt du, warum viele Passagiere an Deck plötzlich sehr still werden – und ich mir denke: Wer hier nichts fühlt, soll wieder zurück ins Einkaufszentrum.
Der Sognefjord, König der Fjorde, ist mein Dauer-Test für Nervenstärke: über 200 Kilometer Länge, mehr als 1.300 Meter Tiefe – der längste und tiefste Fjord Norwegens. Unter dem Kiel geht es weiter bergab als in mancher Musikerkarriere nach dem zweiten Album. Um uns herum Seitenarme, Berge, Gletscher, Orte wie aus einem Modellbau-Katalog – nur dass hier alles echt ist und das Schiff mittendrin auf dem Weg nach Flam.
Der Trollfjord ist der kleine, fiese Bruder dieser Giganten: nur gut zwei Kilometer lang, die Einfahrt keine hundert Meter breit, Wände, die steil bis über 1.000 Meter hochziehen. Wenn ich mit dem Bug dort reinziehe, sind die Felsen so nah, dass ich versucht bin, den Arm rauszuhalten und dem Berg die Hand zu schütteln. Wasserfälle stürzen so dicht am Schiff herunter, dass du meinst, du könntest sie mit dem Putzlappen erreichen. Die Norweger erzählen, hier hausen Trolle – ich behaupte: Das ist einfach ihr Wort für Gäste, die nach Mitternacht noch an der Bar diskutieren, ob man bei Seegang besser Bier oder Wein trinkt.
Stavanger ist dann der bunte Gegenentwurf zur reinen Felsarena. In der Øvre Holmegate, der „Fargegaten“, haben sie eine ganze Straße in den Farbtopf geschmissen – pastellfarbene Häuser, Cafés, Kneipen, Boutiquen, alles bereit für den nächsten Instagram-Überfall. Ich parke mich gerne in einer Bar wie Hanekam oder bei Bøker og Børst, bestelle was Kaltes und schaue zu, wie Touristen versuchen, diese Straße in EIN einziges Handyfoto zu quetschen – ein hoffnungsloses Unterfangen. Das ist der Moment, in dem ich mich gerne als stiller Beobachter der Hafenszene zurücklehne und innerlich die nächste Durchsage formuliere.
Bergen setzt auf Charme statt nur auf Hafenromantik. Zwischen Bryggen, Fischmarkt und den engen Gassen liegt in der Skostredet-Straße das Hôtel Charmante – ein Boutique-Hotel, das sich an der dekadenten Pariser Grandezza des frühen 20. Jahrhunderts orientiert. Innen 41 unterschiedlich gestaltete Zimmer, übertriebene Details, viel Atmosphäre, unten die Brasserie Chérie mit französisch inspiriertem Essen aus norwegischen Zutaten – außen klassische Bergen-Altstadt, innen plötzlich Paris auf Norwegisch. Ich mag es, nach einem Regentag dort einzulaufen, den Hafen vor der Tür, die Hotelbar im Haus und das Gefühl, dass nicht nur mein Schiff, sondern auch das Hotel eine eigene Bühne hat. Und denke in Bergen immer an Drafi Deutscher: "Weine nicht, wenn der Regen fällt...damm, damm"
Und dann Åndalsnes – diese kompakte Troll-Hochburg am Romsdalsfjord, umringt von Bergen wie in einem schlechten Photoshop, nur dass hier niemand irgendwas bearbeitet hat. Die Romsdalsgondel zieht dich direkt aus dem Ort hoch auf den Nesaksla, den Aussichtspunkt über dem Fjord und Schlusspunkt der Romsdalseggen-Gratwanderung, die als eine der schönsten Touren Norwegens gilt. Unten die Rauma, oben Trollveggen und die ganze Berg-Gang vor der Nase – ich nenne das: Panorama-Schellen-Service mit integrierter Knie-Schonfunktion für schiffstaugliche Captains.
Norwegen aus Captainsicht heißt für mich: zwischen Stahl und Fels, Deck und Tresen, Wasserfall und Hotelbar pendeln – und jeden Tag neu merken, dass diese Küste mehr Charakter hat als manche ganze Hafenregion zusammen.
Aber nie vergessen:
Immer eine Handbreit Wasser bis nach Kiel










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