Die Welt von Wacken: Metal - Muh - Metallica

Ich nehme euch diesmal mit auf den Holy Ground nach Wacken. Für mich ist das viel mehr als ein Musikfestival. Es ist ein Ort, an dem aus einer verrückten Idee nach dem Fußballtraining das berühmteste Heavy-Metal-Festival der Welt entstanden ist. Ich erzähle euch von den Anfängen mit gerade einmal 800 Besuchern, von Krisen, Schlamm und großen Triumphen, von Iron Maiden, Ozzy Osbourne und anderen – aber auch von meinen ganz persönlichen Wacken-Momenten. Von Müllmännern, die auf Mülltonnen „We Will Rock You“ trommeln, von tätowierten Kroaten beim Kaffeetrinken mit den Dorfbewohnern und von diesem einzigartigen Gefühl, das Wacken seit 35 Jahren zu einem Zuhause für Metalheads aus aller Welt macht.

7/27/2026

Die Welt von Wacken:
Metal - Muh - Metallica!

Hört ihr das? Gitarren bis zum Anschlag. Zehntausende singen mit. Irgendwo fährt ein Traktor vorbei, daneben marschiert ein Wikinger mit einem Bier in der Hand – und keiner findet das ungewöhnlich. Willkommen in Wacken. Ein Dorf, das an 51 Wochen im Jahr aussieht wie viele andere in Schleswig-Holstein. Doch für eine Woche wird es zum lautesten Dorf der Welt.

Alles begann 1989. Nach einem Fußballtraining sitzen zwei Kumpel in der Dorfkneipe „Zur Post“: Thomas Jensen und Holger Hübner. Ein Bier, ein paar Ideen – und der Gedanke: Warum machen wir nicht einfach unser eigenes Metal-Festival? Aus dieser spontanen Idee wird ein Jahr später Geschichte. 1990 kommen rund 800 Fans nach Wacken. Sechs Bands, zwölf Mark Eintritt, eine Bühne aus Bierzelt und Lkw. Charmant improvisiert, aber mit jeder Menge Herzblut. Niemand ahnt, dass hier gerade eine Weltmarke entsteht.

Schon Anfang der Neunziger wächst das Festival rasant. Saxon und Blind Guardian bringen den nächsten Schub. Es gibt zwei Bühnen, mehr Bands und immer mehr Fans. Trotzdem steht Wacken mehrfach kurz vor dem Aus. Schulden, finanzielle Sorgen und die bange Frage: War’s das? War’s nicht.

1996 sorgen die Böhsen Onkelz für einen Besucherboom und retten das Festival praktisch vor dem Ende. Ein Jahr später zieht Wacken auf die Trede-Wiese um. Aus einer Kuhweide wird der legendäre Holy Ground. Von da an kennt Wacken eigentlich nur noch eine Richtung: nach oben. 2001 reisen bereits 25.000 Fans an. Slayer, Iron Maiden, Ozzy Osbourne, Rammstein – sie alle machen Wacken zu einem Pflichttermin. Dazu kommen die Metal Battle für Nachwuchsbands, die Wacken Foundation zur Förderung junger Musiker und sogar ein kilometerlanges unterirdisches Biersystem. Ja, auch das ist Wacken.Doch die eigentlichen Stars sind oft gar nicht auf den Bühnen.

Ich habe dort Dinge erlebt, die gibt’s wirklich nur in Wacken. Da steht die Müllabfuhr im Dorf und trommelt auf ihren Mülltonnen den Beat von „We Will Rock You“. Die Leute klatschen mit, lachen und feiern die Müllmänner wie Rockstars. Und während anderswo Zäune zwischen Besuchern und Einheimischen stehen, sitzen in Wacken tätowierte Kroaten gemeinsam mit den Dorfbewohnern im Vorgarten bei Kaffee und Kuchen. Ganz selbstverständlich. Als würden sie sich seit Jahren kennen. Wahrscheinlich tun sie das auch. Denn viele kommen jedes Jahr wieder. Wacken ist für sie längst ein zweites Zuhause. Genau das macht dieses Festival so besonders. Hier treffen sich nicht einfach nur Metal-Fans – hier entsteht für eine Woche eine riesige Familie. Aus Fremden werden Nachbarn. Aus einem kleinen Dorf wird die Hauptstadt einer ganz eigenen Welt. So sieht Völkerverständigung aus, die Damen und Herren aus der aktiven Schreibtisch-Politik.

Natürlich gab es auch Rückschläge. Corona sorgte 2020 und 2021 für zwei komplette Absagen. 2023 machte der Schlamm weltweit Schlagzeilen, als Starkregen die Anreise zum Abenteuer werden ließ. Wer einmal knöcheltief im Matsch gestanden hat, weiß: Das gehört irgendwie dazu. In Wacken zählt eben nicht der Dreck an den Stiefeln, sondern die Menschen daneben. 2026 feiert das Wacken Open Air sein 35. Jubiläum. Und einer der beiden Gründer, Holger Hübner, wird 60 Jahre alt.

Holger, herzlichen Glückwunsch – und danke für eine Idee, die Millionen Menschen begeistert hat. Aus einer Dorfkneipe wurde das berühmteste Metal-Festival der Welt. Nicht schlecht für zwei Typen, die nach dem Fußballtraining einfach nur ein Bier trinken wollten.

Für Wacken trifft eines besonders zu:

Immer eine Handbreit Wasser bis nach Kiel!

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